Die stille Schlüsseltechnologie der Etikettenproduktion
Kaum ein Prozess in der Etikettenindustrie erhält so wenig Aufmerksamkeit wie die Silikonisierung – dabei hat sie einen wesentlichen Einfluss auf Produktivität, Materialeinsatz und Produktqualität.
Der globale Markt für selbstklebende Etiketten wächst kontinuierlich. Treiber sind insbesondere die Logistikbranche, der E-Commerce, die Lebensmittelverpackung sowie pharmazeutische Anwendungen. Gleichzeitig stehen Verarbeiter unter zunehmendem Druck, Materialeinsatz und Produktionskosten zu optimieren und ihre Wirtschaftlichkeit zu verbessern.
Drei Entwicklungen prägen aktuell die Silikonbeschichtung:
zunehmende Verbreitung von Linerless-Etiketten
steigende Bedeutung von LED-UV-härtbaren Silikonsystemen
wachsendes Interesse an photoinitiatorreduzierten Formulierungen
Für Schmalbahn-Verarbeiter wird die Fähigkeit, Produktivität, Materialeinsatz und Wirtschaftlichkeit aufeinander abzustimmen, zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor.
Selbstklebende Etiketten sind weltweit ein weit verbreitetes Etikettenformat. Hinter jedem klassischen Haftetikett befindet sich ein Release Liner – häufig ein wesentlicher Bestandteil der gesamten Materialkonstruktion.
Typische Trägermaterialien sind:
Glassine-Papiere
superkalandrierte Kraftpapiere
Clay-Coated Kraftpapiere
PET-Folien
Polyolefin-Folien
Insbesondere Glassine hat sich im Narrow-Web-Bereich aufgrund seiner guten Trenneigenschaften, Dimensionsstabilität und Wirtschaftlichkeit etabliert.
Mit steigenden Anforderungen an Materialeinsatz und Recyclingkonzepte rücken sowohl leichtere Trägermaterialien als auch alternative Konzepte wie Linerless Labels verstärkt in den Fokus.
Klassische Haftetiketten bestehen aus drei Komponenten:
Obermaterial (Facestock)
Klebstoff
Silikonbeschichteter Release Liner
Der Liner schützt den Klebstoff während Produktion, Lagerung und Verarbeitung. Nach dem Etikettiervorgang wird er jedoch unmittelbar zu Abfall.
Linerless-Etiketten verfolgen einen anderen Ansatz: Die Silikonbeschichtung wird direkt auf das bedruckbare Material aufgebracht, sodass kein separater Träger mehr erforderlich ist.
Je nach Anwendung und Etikettenkonstruktion ergeben sich daraus verschiedene Möglichkeite:
mehr Etiketten pro Rolle
geringerer Transport- und Lagerbedarf
kein separater Release Liner
längere Produktionsläufe möglich
Dem stehen jedoch höhere Anforderungen gegenüber. Die Silikonbeschichtung muss präzise auf die jeweilige Anwendung abgestimmt sein, die Härtung gewinnt an Bedeutung und die Anforderungen an die Prozessstabilität steigen.
Deshalb werden Linerless-Lösungen klassische Release Liner auf absehbare Zeit ergänzen, aber nicht in allen Anwendungen ersetzen.
Da Verarbeiter zunehmend auf die Gesamtproduktionskosten achten, gewinnt die Auslegung des Härtungsprozesses an Bedeutung.
Neben dem Energiebedarf prüfen Hersteller Technologien und Formulierungen unter anderem hinsichtlich folgender Kriterien:
Material- und Rohstoffeinsatz
Gehalt an Photoinitiatoren
Migrationsverhalten
Prozesssicherheit
Ein Beispiel hierfür ist unser UV-System FREEcure, das ein UVC-reiches Härtungsspektrum nutzt. Bei geeigneten Silikonformulierungen kann FREEcure eine Härtung mit reduziertem Photoinitiatorgehalt ermöglichen. Die tatsächlichen Ergebnisse hängen von der eingesetzten Formulierung, der Auftragsmenge, der Produktionsgeschwindigkeit und den jeweiligen Prozessparametern ab.
Die weitere Entwicklung der Silikonisierung wird unter anderem geprägt sein von:
der zunehmenden Verbreitung von trägerlosen Etiketten
RFID-Etikettenanwendungen
Anforderungen im Digitaldruck
Anforderungen an Material- und Recyclingkonzepte
regulatorischen Anforderungen
stärkerem Fokus auf die Gesamtbetriebskosten
In diesem Umfeld werden die Auslegung des Härtungsprozesses, Rezepturoptimierung und Materialökonomie ebenso wichtig wie die Produktionsgeschwindigkeit.
Die Silikonbeschichtung gehört nach wie vor zu den wichtigen Technologien in der modernen Etikettenherstellung.
Unabhängig davon, ob thermische, klassische UV- oder LED-UV-Härtungssysteme zum Einsatz kommen, werden Investitionsentscheidungen zunehmend von der Gesamtwirtschaftlichkeit des Prozesses und weniger von einzelnen Leistungskennzahlen bestimmt.
Die Abstimmung von Chemie, Prozesssteuerung und Härtungstechnologie bietet Verarbeitern die Möglichkeit, Produktionsprozesse gezielt auf die jeweiligen Anforderungen der Etikettenherstellung auszulegen.